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Der Fall aus der Praxis...

Eine junge Frau kommt zu mir in die Praxis. Sie nimmt dafür eine weite Reise in Kauf - kommt aus dem benachbarten Bayern – und das „aus gutem Grund“ wie sie betont.

Denn das Problem, das sie zu besprechen hatte war in ihren Augen „delikat“.

Unglücklicherweise hatte sie die eigene Mutter ins Vertrauen gezogen. „Mit wem sonst sollte ich darüber sprechen?“

Die Mutter aber machte alles nur noch schlimmer und eignete sich gar nicht als Beraterin. Wahrscheinlich fehlte ihr die notwendige Distanz.

 

Bild: Fetischismen sind in der Männerwelt weit verbreitet. Sie können auf Körperteile oder nicht menschliche Objekte gerichtet sein, etwa Schuhe oder Füße.© pinkpixel111 - Fotolia.com

 

Doch was war denn nun geschehen?

Die Beiden waren seit 10 Jahren ein Paar und hatten erst vor zwei Jahren geheiratet. Es gibt bereits ein gemeinsames Haus und auch Kinderwunsch, der aber zuletzt in immer weitere Ferne rückte. Der Grund: wo kein Sex, dort keine Kinder.

 

Unter Tränen erzählte die junge Frau, dass „alles“ so harmonisch läuft, nur eben nicht das Bett. „Schuld“ daran war ihrer Meinung nach der Mann, dessen Sexualität untrennbar verbunden war mit einem Fetischismus. Meinen Mann – so erzählte sie – interessiert an mir nichts außer meine Füße.

„Natürlich gab es Streit deswegen, doch leider hat das nichts gefruchtet. Ganz im Gegenteil. Je mehr ich mich dagegen auflehnte, desto weniger Sex gibt es, - bis wir nun schon seit geraumer Zeit gar nicht mehr miteinander schlafen“.

 

Die Geschichte dieses Paares ist kein Einzelfall. Fetischismen sind ein fester Bestandteil männlicher Sexualität. Es handelt sich um ganz spezielle Erregungsmuster, die nicht so einfach abgelegt werden können. Ganz im Gegenteil, nach der Pubertät sind sie unveränderbar, also auch nicht therapierbar.

 

Jedes Erregungsmuster, auch ein Fetischismus, äußert sich in Handlungen oder Phantasien, die die männlichen Sexualfunktionen – Erektion und Samenerguss – erst möglich machen. Umgekehrt gesagt, - schon der versuchte Verzicht würde zum Verlust der Erektion führen. Dies ist der Grundlage für jenes Vermeidungsverhalten, das auch bei diesem Paar dazu führte, dass nichts mehr „lief“.

Manche Männer fühlen sich „schuldig“. Die Diktion lautet: „ich kann Dich mit meiner Sexualität nicht glücklich machen“. Deswegen versuchen sie, das sexuelle Defizit auf andere Weise zu kompensieren.

Auch hier bestätigte die junge Frau, dass der Mann sie „sonst“ auf Händen trage.

 

Bei manchen Paaren sind die Fetischismen der Männer kein Problem. Sollten sie aber zum Problem werden ist es höchste Zeit professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Denn: sexuelle Probleme innerhalb der Paarbeziehung haben keine Tendenz zur Selbstheilung. Ganz im Gegenteil, - zu groß ist die emotionale Verstrickung.

Und weil sexuelle Zufriedenheit und Beziehungsglück eng miteinander verbunden sind, loht sich der Gang zum Sexualmediziner allemal.

 

Auch in diesem geschilderten „Fall“ ist der Ausweg eine Sexualtherapie: eine Gesprächstherapie zu dritt: der Mann, die Frau und der Therapeut.

 

Dr. Georg Pfau im Mai 2014

Sexualmediziner

 
 
 
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